
Brain Fog – der etwas andere Wetterbericht
Gehirn- oder Hirnnebel, wie die deutsche Übersetzung lauten kann, beschreibt einen Zustand eingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit. Einfach gesagt, die Unfähigkeit klar zu denken.
Populär geworden ist die Bezeichnung „Brain Fog“ im Zusammenhang von postakuten Infektionssyndromen wie dem Long- oder dem Post-Covid-Syndrom. Die Entstehungsmechanismen sind allerdings unbekannt und können auch bei anderen Krankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion oder psychischen Erkrankungen auftreten. Als eigenständige Diagnose gibt es den Begriff nicht. Eine einheitliche medizinische oder wissenschaftliche Definition und Abgrenzung zu anderen kognitiven Störungen lässt sich ebenfalls nicht treffen. Die bei Brain Fog auftretenden Symptome wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Störungen bei psychomotorischen Funktionen oder bei der Reizverarbeitung sind zwar schon gut abbildbar, etablierte Therapien oder Medikamente wurden aber noch keine gefunden.1
Was tun?
Und wie immer, wenn es keine Impfungen, Pillen oder Operationen gibt, steht die Medizin den Erwartungen der Patienten etwas hilflos gegenüber. Die Empfehlungen lauten dann oft, kognitives Training, individuelles Energiemanagement oder mentales Pacing. Dies sind aber nicht die medizinischen Ratschläge, die Hilfesuchende gerne mit nach Hause nehmen. Vor allem wenn Atemübungen mit dabei sind. In den meisten Fällen stärkt dies nicht gerade das Vertrauen in die Kompetenz und Seriosität von Arzt oder Ärztin.
Struktur und Synchronisation
Dass laut zuverlässigen aktuellen Forschungsergebnissen die Atmung neuronale Aktivitäten in der gesamten Großhirnrinde synchronisiert, überzeugt und wissen die wenigsten. Diese Studienergebnisse zeigen in allen bisher untersuchten Kortexarealen Schwankungen der Nervenzellenaktivität, die dem Atemrhythmus folgen. Es wurde festgestellt, dass die Atmung höhere kognitive Leistungen, darunter das räumliche Vorstellungsvermögen und die Merkfähigkeit, beeinflusst. Die Forschungen geben fundierten Anlass zur Vermutung, dass der Atemrhythmus unsere Gedächtnisprozesse strukturiert.2
Singletasking und Tempowechsel
Bereits 2016 entzauberte eine schwedische Studie den Mythos Multitasking.3 Und auch eine Reihe anderer Studien4 kommen zu dem Ergebnis, dass unserem Gehirn nur eine begrenzte Kapazität zur Verfügung steht. Je komplexer die Aufgaben sind, desto unmöglicher wird Multitasking. Was oft wie Multitasking aussieht, ist die Fähigkeit mancher Personen, rascher zwischen zwei oder mehreren Aufgaben hin und her zu wechseln. Dies hat aber zur Folge, dass die Konzentration schneller nachlässt. Wir ermüden schneller und die oben erwähnte Reizwahrnehmung und -verarbeitung verändert sich nachweislich.
Die bewusste Selbstwahrnehmung und das passende Pacing (die Fähigkeit, das für sich richtige Tempo zu wählen und das eigene Energielevel zu steuern) werden dadurch zu entscheidenden Faktoren für das Wetter in unserem Kopf.
Wetterumschwung
Das heißt, wenn wir für klare Sicht in unserem Gehirn sorgen wollen – und das gilt nicht nur für den Zustand eines Nebelgehirns – ist gezielte Atempraxis vielleicht doch eine relevante Behandlungsmethode.
1https://de.m.wikipedia.org/wiki/Brain_Fog
2https://www.spektrum.de/magazin/bewusst-atmen-klar-denken/1667042#:~:text=Die%20Atmung%20beeinflusst%20höhere%20kognitive,strukturiert%20der%20Atemrhythmus%20die%20Gedächtnisprozesse. spectrum.de, 2019
Heck, D. H. et al.: Breathing as a fundamental rhythm of brain function. Frontiers in Neural Circuits 10, 2017
Herrero, J. L. et al.: Breathing above the brainstem: volitional control and attentional modulation in humans. Journal of Neurophysiology 119, 2018
Ito, J. et al.: Whisker barrel cortex delta oscillations and gamma power in the awake mouse are linked to respiration. Nature Communications 5, 2014
Liu, Y. et al.: Hippocampal sharp-wave ripples in awake mice are entrained by respiration. Scientific Reports 7, 2017
Perl, O. et al.: Human non-olfactory cognition phase-locked with inhalation. Nature Human Behaviour 3, 2019
3https://www.frontiersin.org/journals/human-neuroscience/articles/10.3389/fnhum.2016.00221/full, 2016
4https://www.apa.org/topics/research/multitasking
5https://www.spirah.at/podcast/atmung-und-psyche-dr-oliver-scheibenbogen/

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